Tag 3 (ungefähr eine Woche nach Tag 2) 15.18
Okay ich hab die Nase voll. Ich hör jetzt, heute auf mit der Bulimia. Ich liebe das Leben und sage ja zum Leben. Ich bin mehr als nur eine Essstörung. Ich kann es schaffen.
Ich werde mir auf jeden Fall Hilfe suchen, sobald ich meine Abschlussarbeit fertig geschrieben habe.
Tag 4 (unbestimmte Zeit nach Tag 3)
....
hmm. Heute habe ich beschlossen, diesen Blog zu erstellen. Schon irgendwie komisch, so viele intime Details über mein Leben im Internet zu veröffentlichen, sicher werden es viele nicht verstehen, wer kann denn Menschen mit Essstörungen verstehen, außer die, die selber welche haben?
Bulimie ist so out. ich weiß noch, als ich ein Kind war (in den 90er Jahre) da war Magersucht und Bulimie und so weiter ein großes Thema, damals beschimpfte man die Modeindustrie, da sie viel zu dünne Models zum "weiblichen Ideal" deklarierten.
ich weiß noch wie zu hause sich die ganze Familie darüber aufregte. Meine Schwester, die fast sieben Jahre älter ist als ich, litt nämlich an Magersucht und Bulimie. Sie war 14 oder 15, als sie krank wurde.
Naja, jedenfalls war das Familienleben dadurch "gestört", meine Mutter weinte viel, mein Vater zog sich in Arbeit zurück und meine Schwester verschlang alle Schokoladen, Cornflakes und andere Süßigkeiten, die sie nur finden konnte. Zu Weihnachten, Geburtstagen und Ostern mussten also Schokoeier und Schokoweihnachtsmänner vor ihr versteckt werden.
Naja, lange Geschichte, kurzer Sinn, jedenfalls fing es dann irgendwann auch bei mir an. Meine Schwester ist schön, wirklich. Sie war schon immer schlank (die letzen zehn jahre war sie eigentlich immer untergewichtig, etwas zu dünn find ich und natürlich ist sie wegen ihrer Essstörung klein geblieben) auch damals, als sie 15 war. sie war immer schon dünner als ich. ich konnte ihr Verhalten nicht verstehen. Also las ich Bücher die meine Mutter gekauft hatte, Bücher die angeblich dafür geschrieben wurden um Essgestörte und ihren Familien zu helfen. und ich las ebenfalls, wie jede kleine Schwester es tut, ihre Tagebücher. darin schrieb sie Sachen wie "ich bin so fett, ich kann an jeder Körperstelle die Fettpolster regelrecht spüren, ich bin hässlich, ich hasse mich" und son scheiss. ich meine, wie kann man nur so bescheuert sein, und so was über sich denken, vor allem, wenn man so schlank ist, wie sie???
Naja, jedenfalls fing ich irgendwann an mir selbst zu zweifeln. wenn sie so fest davon überzeugt war, dass sie dick war, wenn sie doch eigentlich dünner war als ich, was wäre dann wohl ich? ein Walross?
wenn sie gerade mal nicht gerade unsere Lebensmittel heimlich fraß und erbrach, dann backte sie fettige Kuchen und Plätzchen für die ganze Familie. Sie aß nie welche, wenn wir sie aßen. Sie sah nur zu.
Als ich dann vierzehn war, zog sie aus, und mit ihrem Auszug fingen bei mir die "Symptome" auch an. Ich hungerte, bis ich anämisch wurde, und trank an einem Morgen Wasser mit viel Salz, wie ich es in einem dieser Bücher gelesen hab (Alice im Hungerland) um zu erbrechen. Das geschah dann auch, aber leider hatte ich es früh am Morgen gemacht, bevor ich gefrühstückt hatte, so dass ich nur Schleim erbrach.
wenn sie gerade mal nicht gerade unsere Lebensmittel heimlich fraß und erbrach, dann backte sie fettige Kuchen und Plätzchen für die ganze Familie. Sie aß nie welche, wenn wir sie aßen. Sie sah nur zu.
Als ich dann vierzehn war, zog sie aus, und mit ihrem Auszug fingen bei mir die "Symptome" auch an. Ich hungerte, bis ich anämisch wurde, und trank an einem Morgen Wasser mit viel Salz, wie ich es in einem dieser Bücher gelesen hab (Alice im Hungerland) um zu erbrechen. Das geschah dann auch, aber leider hatte ich es früh am Morgen gemacht, bevor ich gefrühstückt hatte, so dass ich nur Schleim erbrach.
Mit fünfzehn zogen wir um und fuhren kurze Zeit darauf in den Urlaub (Papa, Mama und ich) in die Karibik. wir aßen zusamme zu abend in einem schönen Restaurant direkt am Meer, man konnte die Wellen rauschen hören und die Sterne leuchteten hell am Himmel. Ich war wütend auf meine Eltern, weil wir umgezogen waren, weil ich meine Heimat vermisste und weil ich ein pubertierender Teenager war. Ich bestellte mir einen fettigen Hamburger mit einer riesengroßen Portion Pommes, verschlang alles und verschwand daraufhin in der Toillette um mich zum ersten Mal in meinem Leben (erfolgreich) zu erbrechen. es war ein wundervolles Gefühl. Macht und Kontrolle. Ich konnte alles essen, was ich wollte und würde dabei nicht zunehmen. das Kotzen fand ich zwar immer noch ekelhaft, aber das Gefühl danach ist unbeschreiblich. Man ist einfach High und glücklich (krass wa).
und so fing alles an. Nun, jetzt sind schon zehn Jahre seit dem vergangen, im März werde ich 25 und ich habe es immer noch nicht geschafft, damit aufzuhören (wie oft habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich gesagt hab: Okay, das ist das letzte Mal, verdammt noch mal!!).
Natürlich ist es eine Lüge, wenn man denkt, dass man durch ständiges erbrechen die Kontrolle über das Leben bekommt, dass man glücklicher oder erfolgreicher wird. Ganz im Gegenteil. Viel mehr versinkt man irgendwann darin. Depressionen, Ängste zu Versagen und Scham sind wohl eher die Resultate, die man irgendwann erhält.
Es ist wie eine Droge, zu der man flüchtet, um den Alltagsdruck zu vergessen. Von Frauen in meinem Alter wird viel verlangt. Wir müssen erfolgreich sein, Karriere machen (warum hat man denn studiert und sich jahrelang von seinen Eltern finanziell unterstützen lassen, die so viel für einen geopfert haben?), gut aussehen (im ernst jetzt, in dieser scheiß oberflächlichen Gesellschaft achten alle nur aufs äußere!) und so.
ich steh kurz davor, ins Berufsleben einzusteigen und ich habe Angst davor. es ist schwieriger als je zuvor, einen gut bezahlten Job zu bekommen, vor allem in Großstädten wie der, in der ich lebe.
Ich bin erwachsen und muss mein Leben auf die Reihe endlich kriegen, so wie Jeder andere auch.
Das Problem ist nur: ich hasse das, was ich studiert habe (BWL). Ich will damit gar nix zu tun haben. Ja warum zur Hölle habe ich dann BWL studiert? tja... die Antwort ist billig, aber leider die Wahrheit: weil ich es meinen Eltern recht machen wollte.
Zurück zur Bulimie.
Natürlich ist es eine Lüge, wenn man denkt, dass man durch ständiges erbrechen die Kontrolle über das Leben bekommt, dass man glücklicher oder erfolgreicher wird. Ganz im Gegenteil. Viel mehr versinkt man irgendwann darin. Depressionen, Ängste zu Versagen und Scham sind wohl eher die Resultate, die man irgendwann erhält.
Es ist wie eine Droge, zu der man flüchtet, um den Alltagsdruck zu vergessen. Von Frauen in meinem Alter wird viel verlangt. Wir müssen erfolgreich sein, Karriere machen (warum hat man denn studiert und sich jahrelang von seinen Eltern finanziell unterstützen lassen, die so viel für einen geopfert haben?), gut aussehen (im ernst jetzt, in dieser scheiß oberflächlichen Gesellschaft achten alle nur aufs äußere!) und so.
ich steh kurz davor, ins Berufsleben einzusteigen und ich habe Angst davor. es ist schwieriger als je zuvor, einen gut bezahlten Job zu bekommen, vor allem in Großstädten wie der, in der ich lebe.
Ich bin erwachsen und muss mein Leben auf die Reihe endlich kriegen, so wie Jeder andere auch.
Das Problem ist nur: ich hasse das, was ich studiert habe (BWL). Ich will damit gar nix zu tun haben. Ja warum zur Hölle habe ich dann BWL studiert? tja... die Antwort ist billig, aber leider die Wahrheit: weil ich es meinen Eltern recht machen wollte.
Zurück zur Bulimie.
Kein Schwein redet mehr über Bulimie in der Öffentlichkeit, Kotzen ist einfach nur ekelhaft, wer sowas macht ist doch krank im Kopf. Tja, angeblich sollen 20% der Frauen daran erkrankt sein. 20%! Ist schon ganz schön viel... aber man sieht es uns nicht an. denn wenn wir etwas richtig gut können, dann ist es, unsere Krankheit zu vertuschen. Niemand würde sowas je von mir denken. Niemand. Ich bin eine wahre Künstlerin im Vertuschen und Lügen.
Am Ende belüge ich mich aber nur selber.
Am Ende belüge ich mich aber nur selber.
Hallo!
AntwortenLöschenja, ich finde auch,dass über Bulimie viel zu viel geschwiegen wird.
deshalb finde ich deinen blog sehr gut, abgesehen davon, dass du vieles einfach sehr realitätsnah schilderst.
ich habe auch Bulimie - wenn jemand lust hat, kann er gerne auch mal in meinem blog vorbei schauen , der dazu dient, die leute aufzuklären über das, was wir täglich erleiden - nach dem Motto : Schau nicht weg!
lg
www.fight-like-a-tiger.blogspot.com
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